German feature on eyewitness testimony

Written by Alana Krix and Melanie Sauerland this German article will be of interest to those who want to know more about the sources for errors in eyewitness testimony. Alana Krix is originally from Germany, and is currently completing her doctoral studies at Maastricht University in the Netherlands. She is conducting research on best-practice regarding obtaining reliable eyewitness statements. Her co-author, Melanie Sauerland, is an assistant professor at  Maastricht University and her research focuses on factors important for eyewitness testimony, including police procedures and memory.


Im Zweifel für den Angeklagten: Über Fehlerquellen von Zeugenaussagen

Fehlerhafte Zeugenaussagen haben in vielen Fällen wesentlich zur Verurteilung unschuldiger Personen beigetragen. Projekte in den USA und den Niederlanden nehmen sich dieser Fälle an und versuchen, Freisprüche für die Betroffenen zu erwirken. Den Justizirrtümern, die durch falsche Zeugenaussagen verursacht wurden, steht jedoch gegenüber, dass Zeugenaussagen der Polizei oft die entscheidenden Hinweise für die Ermittlungsarbeit erbringen. Der vorliegende Artikel liefert neben der Darstellung von Fallbeispielen Forschungsergebnisse, die zeigen, wie und wann es zu Fehlern in Zeugenaussagen kommen kann.

 

Zeugenaussagen sind für die Polizei ein wichtiges Beweismittel. Sie liefern trotz der zahlreichen technischen Möglichkeiten zur Spurensicherung oft die entscheidenden Anhaltspunkte für die Ermittlungsarbeit. Andererseits sind Zeugenaussagen fehleranfällig und nicht selten tragen sie zur Verurteilung Unschuldiger bei. Eine Analyse von 240 US-amerikanischen Fällen, in denen erwiesenermaßen ein Justizirrtum vorlag, ergab, dass in mehr als 75% der Fälle fehlerhafte Zeugenaussagen Hauptgrund für die Fehlurteile waren (Wells, Small, Penrod, Malpass, Fulero & Brimacombe, 1998). Auch in Deutschland haben Zeugenaussagen nachweislich zu Justizirrtümern geführt. So wurde Donald Stellwag wegen Bankraubs verurteilt, nachdem ihn ein Zuschauer der Sendung Aktenzeichen XY ...ungelöst auf dem Bild einer Überwachungskamera der Bank vermeintlich erkannte. Stellwag wurde außerdem durch ein fehlerhaftes anthropologisches Gutachten belastet, das angebliche Ähnlichkeiten zwischen dem Ohr des Täters und dem Stellwags feststellte.

 


Die Verurteilung erfolgte schließlich trotz mehrerer Alibi-Zeugen , die Angaben zu Stellwags Aufenthaltsort während der Tatzeit machen konnten. Inzwischen wurde der eigentliche Täter festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stellwag seine achtjährige Haftstrafe allerdings schon verbüßt. Der Gutachter wurde wegen grober Fahrlässigkeit zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von € 150.000 verurteilt.

In den USA arbeitet das Innocence Project seit 1992 daran, Justizirrtümer aufzudecken und Freisprüche für unschuldig Verurteilte zu erwirken (Scheck, Neufeld, & Dwyer, 2003). Dazu wird mittels DNS-Analyse die DNS der verurteilten Person mit der am Tatort gefundenen möglichen DNS  des Täters abgeglichen. Eine Nichtübereinstimmung gilt als Beleg für die Unschuld des Verurteilten. Bislang wurden durch das Projekt mehr als 260 unschuldig Verurteilte entlastet und freigesprochen. BEISPIELFALL Die Betroffenen waren teils jahrelang inhaftiert, manchmal sogar zum Tode verurteilt.

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